Probenbegleitung „Sein oder Nichtsein“ (5b)
1. Interview mit Schauspielern zum Stück, am 22.12.25
2. Bericht zum Probenbesuch, am 28.01.26
1. Interview, 22.12.25
Regisseurin Bettina Bruinier, Dramaturgin Anita Augustin und
Hauptdarstellerin Marion Reiser (Maria Tura, Schauspielerin, Königin, Hamlet)
Interview mit zwei Schauspielern:
1. Kristoffer Nowak (Josef Tura, Schauspieler / Gruppenführer / Hamlet),
2. Florian Granzner (Stanislaw Sobinsky, Polnischer Fliegeroffizier / Adjudant Schülz – verliebt in die Frau von Josef Tura)
SchülerInnen der 5b (BORG Innsbruck): Was bedeutet das Zitat „Sein oder Nichtsein“?
Nowak: Monolog 3. Akt, 2. Szene, „Hamlet“ von Shakespeare … Die größten Schauspieler haben sich schon überlegt, wie man diesen Satz sagt. Leben oder sterben, da sein oder nicht da sein. Aber, wenn man sich den Monolog anschaut, fragt sich Hamlet – er hat vom Geist seines Vaters den Auftrag bekommen, seinen Onkel zu töten, um sich zu rächen – „Bin ich bereit, wirklich alles aufs Spiel zu setzen, auch mein Leben? Oder nicht? Was macht unser Menschsein aus? Gehört es dazu, eine gewisse Portion Leid auszuhalten, oder nicht? Wehrt man sich gegen das, was von einem verlangt wird? Auch: Wenn man einen hohen Preis dafür zahlt?“. Interessant für mich ist die Doppeldeutigkeit im Stück: Wie weit sind wir bereit zu gehen, um die Nazis zu bekämpfen? Das ist aber auch ein Spiel mit dem eigenen Leben. Und es gilt herauszufinden: Wie weit ist man bereit, Mensch zu sein?
Granzner: Das „Sein oder Nichtsein“ ist für meine Figur ein wichtiges Zitat, weil sie immer, wenn dieser Satz kommt, abhaut, um den langen Monolog zu nutzen, um die Frau des Schauspielers zu treffen, der gerade auf der Bühne beschäftigt ist. Er lernt sie dabei besser kennen, sie küssen sich, er ist verliebt.
SchülerInnen: Beruht das Stück auf wahren Begebenheiten?
Nowak: Nein, es ist erfunden.
SchülerInnen: Wie sind Sie zum Schauspielern gekommen?
Nowak: Ich wollte das schon immer, es gibt sogar eine Kindergartenzeichnung von mir, auf der ich auf der Bühne stehe. Ich hatte das große Glück, die Schauspielausbildung zu machen und dass mich ein Theater genommen hat.
Granzner: Ich habe das große Glück, den ganzen Tag spielen zu dürfen! Manchmal ist das toll, weil ich einen Helden spiele, manchmal ist es langweilig, weil ich zwei Stunden einen Fisch spielen muss. Vor zwei Jahren war das, da macht man Schwimmübungen, hat Flossen an und eine Badekappe auf. Man schwimmt auf der Arbeit herum. lacht In „Sein oder Nichtsein“ bin ich kein Fisch, sondern der Flieger.
SchülerInnen: Nimmt man sich den Schauspieler im Film als Vorlage?
Nowak: Die meisten haben den Film gesehen, aber man versucht, etwas Eigenes zu finden. Es muss ja was mit dir und deinen Emotionen zu tun haben. Man muss andocken an das, was man erlebt hat. Etwas nachzuspielen wäre wahnsinnig fad. Der Film ist sehr alt, 1942 gedreht worden, es war damals ein wahnsinnig aktueller Film, so wie wenn man heute einen Film über Putin, Trump oder den Rechtsruck in Europa machen würde. Aber für Assotiationen schaut man sich schon historische Bilder an. Das hilft in der Vorbereitung.
SchülerInnen: Ist es schwierig, sich in so eine Rolle hineinzuversetzen?
Granzner: Das hängt davon ab, ob die Rolle weit weg von einem ist. Ein Nazi ist sehr weit weg, andere sind näher dran.
Nowak: Einfacher macht es hier die Tatsache, dass das eine Komödie ist. Das Stück hat einen satirischen, erhöhten Ansatz. Wenn du auf der Bühne etwas machst, dann macht das etwas mit dir. Es produziert Emotionen, der Körper fühlt sich anders an. Das sind die kleinen Ansatzpunkte, wo man sich in etwas hineinfühlen kann. Zum Beispiel die Naziuniform, die Stiefel, die machen was mit dir. Da gehst du gleich ganz anders.
SchülerInnen: Werden Sie zugeteilt zu den Rollen? Oder dürfen Sie sie sich aussuchen, oder Wünsche äußern?
Granzner: Man kann schon Wünsche äußern, aber die Schauspieldirektion, die kennt uns schon seit Jahren, die teilt uns zu. Grenzen gibt es aber schon: Nackszenen, oder eine Sexszene auf der Bühne ist nicht für jeden lustig, da gibts Leute, die fühlen sich wohler damit, manche mögen es gar nicht. Da kann man Nein sagen. Aber das ist das Einzige.
Nowak: Wenn dir die Rolle nicht gefällt, Pech gehabt. Das gehört dazu.
SchülerInnen: Die Regisseurin hat uns erzählt, dass für „Sein oder Nichtsein“ ein Video mit einem Schauspieler, der als Hitler verkleidet war, in der Axamer Lizum gedreht wurde. Wie haben die Leute auf dem Hoadl auf „Hitler“ reagiert?
Granzner/Nowak: Das war ganz schön spannend und ehrlich gesagt auch erschreckend! Die Leute haben Selfies machen wollen! Damit haben wir nicht gerechnet. „Hitler“ in der Axamer Lizum, ist krass. Der Schauspieler, der den Hitler spielt, ist Italiener, also eher ein italienischer Hitler.
SchülerInnen: Ist der Text genau vorgegeben?
Nowak: Ja es gibt ein ganz klassisches Textbuch. Wie die Person spricht, wie sie ist, das versuchen wir in unserem kreativen Prozess in den 6-8 Wochen Proben herauszufinden.
SchülerInnen: Die Dramaturgin hat uns von einem „Hitler-Rap“ erzählt, den es im Netz gibt. Finden Sie den lustig?
Granzner: Ich habe von dem noch nie gehört, muss ich zugeben.
Nowak: Ich müsste ihn nochmal anhören, ist schon eine Zeit her. Ich habe mir aber nicht gedacht: „Wow krass, geil, lustig!“ Ich kann den satirischen Ansatz verstehen, aber mich hat er nicht abgeholt. Wir verwenden ihn bis jetzt auch nicht, er gehört mehr zur Frage, wie krass treibst du die Satire? Das ist eine spannende Frage – und eine Gratwanderung.
SchülerInnen: Vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns schon auf den Besuch der Hauptprobe im Januar und sind gespannt, was sich bis dahin alles entwickelt hat!
Granzner/Nowak: Wir freuen uns auch! Bis bald!
2. Probenbesuch im Haus der Musik: ,,Sein oder Nichtsein“ (5b), 28.01.26
Zum Inhalt: In „Sein oder Nichtsein“ geht es um ein polnisches Theater, in dem kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges ein satirisches Stück über Hitler und die Gestapo aufgeführt werden soll. Da das die Zensur aber nicht erlaubt, wird dann – der Krieg hat schon begonnen – „Hamlet“ gegeben. Doch die Ereignisse überschlagen sich und schon bald werden die Gestapo-Kostüme gebraucht, um der echten Geheimen Staatspolizei (Gestapo) der Nationalsozialisten wichtige Papiere abzuluchsen. Was zuerst Slapstick war, wird bitterer Ernst für die Theaterleute.
Schon zum dritten Mal besuchten wir, die Klasse 5b, am 28. Jänner 2026 das Landestheater. Diesmal durften wir exklusiv die Probe des Theaterstücks ,,Sein oder Nichtsein“ in den Kammerspielen verfolgen. Dabei erhielten wir einen interessanten Einblick in die Probenarbeit und die Entstehung eines Theaterstücks.
Sofort ins Auge stach uns der Pianist, der live für die musikalische Begleitung sorgte. Die Musik unterstützte die Stimmung der Szenen und machte sie noch spannender.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne trugen gleich zu Beginn Kostüme aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, was im ersten Moment sehr irritierend wirkte. Auch ein Schauspieler, der Hitler darstellte, spielte im Stück mit. Die Schauspieler:innen sangen als Gestapo-Leute und tanzten dabei rhythmisch mit. Das war einerseits seltsam, andererseits aber auch lustig. Diese Szene wirkte besonders intensiv und löste bei uns Gefühle wie Unruhe und Nachdenklichkeit aus.
Etwas verwirrend war, dass innerhalb des Stücks zwei Theaterstücke gespielt wurden. Man wusste kaum noch, was gespielt und was „echt“ war. Das allerdings macht das Stück auch so besonders. Was zu Beginn lustig wirkte, war am Ende ernst und lebensbedrohlich.
Während der Probe kam es manchmal zu kleinen Fehlern oder Unterbrechungen. Szenen wurden gestoppt, neu angesetzt und wiederholt, bis sie besser funktionierten. Genau das machte den Probenbesuch besonders spannend, da wir sehen konnten, wie viel Arbeit, Konzentration und Geduld hinter einer Theateraufführung stecken. Besonders beeindruckend war, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler sich so viel Text merken können. Man merkte deutlich, dass jede Bewegung und jeder Ton genau geplant war, bevor das Stück dem Publikum präsentiert wird.
Zum Schluss hatten wir die Gelegenheit, uns mit einer Dramaturgin über das Stück zu unterhalten und Verbesserungsvorschläge zu machen. Der Probenbesuch war für uns eine tolle Erfahrung. Einerseits war das Theaterstück teilweise kompliziert, weil jedes Mal, wenn die Schauspieler Fehler gemacht hatten, wusste man nicht ganz genau, ob es zum Stück gehörte oder nicht. Trotzdem war es andererseits sehr interessant und eindrucksvoll. Besonders spannend war es, den Arbeitsprozess mitzuerleben und zu sehen, wie aus Fehlern gelernt und Szenen verbessert wurden. Insgesamt war der Besuch im Haus der Musik lehrreich und gab uns einen neuen Blick auf das Theater und seine Entstehung.
Rojyar Zerrar (5b)
Ulrike Gärtner
Links: www.landestheater.at
