Die Macht der Sprache

06. Januar 2026

Besuch der Gedenkstätten Hartheim und Mauthausen

Es waren Menschen, Geschwister, Eltern, Freund*innen, Nachbar*innen, unschuldige Menschen. Es waren Menschen. Es waren 90.000 Menschen in Mauthausen und 30.000 Menschen in Hartheim, die auf brutalste Weise getötet wurden. Was nur eine abstrakte Zahl ist, eine Datensammlung in Geschichtsbüchern, eine kurze Dokumentation im Unterricht, war die Auslöschung von Menschenleben. Es scheint nicht greifbar, nicht verständlich, dass so ein grausamer Genozid unmittelbar in Österreich stattgefunden hat und die Zeit zwischen damals und heute nicht einmal hundert Jahre zählt.

Was von außen wie eine Sehenswürdigkeit wirkt, ist die täuschende Oberfläche von nur einem – einer Tötungsanstalt. Der Eingang des Schlosses Hartheim ist wie jeder andere auch, der Innenhof lässt den Blick nach oben schweifen, Richtung Himmel. Alles sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Das Gefühl allerdings, das der Ort auslöst, geht tief in die Knochen. Auf den zweiten Blick fallen die Gedenktafeln an den Wänden auf, die Ausstellung wirkt unterstützend, um zu begreifen, dass hinter den Opfern Individuen standen. Individuen, deren Leben nach dem nationalistischen Idealbild als unwert galt. Die Ausstellung „Lebenswert“ konstruiert ein Bild einer Zeit, in der die Macht der Propaganda so weit missbraucht wurde, dass eine ganze Gesellschaft die schleichende Entwicklung erst viel zu spät verstand. Diese Macht der Sprache wird begleitend zur eigentlichen Führung besprochen, auch der Hinweis wird immer wieder genannt, sich in der Gegenwart dieser Macht bewusst zu werden und sensibel darauf zu reagieren. Hartheim konkretisiert die Vorstellung einer Zeit, die nur aus dem Unterricht bekannt ist, und verdeutlicht einmal mehr, wozu Menschen fähig sind.

Die Stimmung zu Beginn der Fahrt nach Mauthausen unterscheidet sich deutlich von den letzten Kehren des Hügels, bis dann die Gedenkstätte sichtbar ist. Vollständig ruhig ist es nie, aber der ganze Bus wirkt bedrückter. Der Weg durch die Gedenkstätte zeigt einen Ausschnitt des Ortes, wie er damals war. Sei es der Blick in den Steinbruch mit der Todesstiege, die Baracken, die Waschräume, der Appellplatz, die Gaskammer – jeder Halt der Führung ist ein Merkmal eines Konzentrationslagers, das bereits aus dem Unterricht bekannt ist. Auf dem Appellplatz stehend hört man zu, wie der Guide über die täglichen Abläufe spricht, über die Gräueltaten und Demütigungen an diesem expliziten Ort, über Fakten – und plötzlich realisiert man, dass diese Fakten genau an diesem Ort passiert sind, Menschen, wie man selbst, genau an diesem Ort gelitten haben. Die Realisation ist begleitet von Unverständnis, wie so etwas denn wirklich geschehen hatte können, und lässt einen mit einem Gefühl zurück, das nicht einzuordnen ist. Dieses Gefühl verschwindet auch nicht wieder, egal, wie lang oder wie umfangreich die Führung ist. Dieser Ort ist nicht nur eine Gedenkstätte, sondern eine Verkörperung der dunkelsten Seiten der Menschheit. Es gibt so viel dazu zu sagen, dass nie alles gesagt werden kann, nie jede Frage beantwortet werden kann.

Diese zwei Tage wirken nach und bleiben im Gedächtnis, für jede*n in einer anderen Art und Weise, jede*r fährt mit anderen Gedanken wieder heim und ordnet diese anders ein. Obwohl dieser Abschnitt der Geschichte vorbei ist, sind Mauthausen und Hartheim eine Erinnerung daran, dass eine Wiederholung unter allen Umständen verhindert werden muss.
Beide Orte machen uns bewusst, dass es unsere Verantwortung ist.

Beides sind Orte, an denen man mit vielen Erwartungen hinfährt und mit viel mehr Fragen wieder heimfährt.

Anna Daxl, 8B